Beteiligungs- und Erprobungsfelder

In der Jugendarbeit wollen wir frühzeitig mit dem Angebot von Beteiligungs- und Erprobungsfeldern junge Heranwachsende anleiten, mit  der Übertragung von Verantwortung umgehen zu lernen.  In der Regel ist dies mit einer hohen Wertschätzung im Stadtteil, einer persönlichen Anerkennung und einer Stärkung des Selbstbewußtseins verbunden.

So können wir einerseits in verschiedenen Settings, Jugendlichen anbieten sich in handwerklichen, kreativen und sportlichen Angeboten auszuprobieren, verantwortungsvollen Umgang mit Räumen und Material zu lernen, sowie das Hereinwachsen in eine Anleiterrolle zu eröffnen. Flankierend dazu bieten wir Ausbildungen zur Sportassistenz, Schülermentor /-in oder Übungsleiter/-in an.
Mit dem Programm "JustiQ": Jugend stärken im Quartier bieten wir darüber hinaus fachlich angeleitete Workshops zum Erlernen von  besonderen Fähigkeiten. Sie sollen die schulischen und beruflichen Qualifizierungen erweitern und Orientierung bieten. Hierbei entdecken die jungen Heranwachsende ihre Stärken und Schwächen, üben in einem vertrauensvollen Feld, sich mit Stresssituationen zu konfrontieren, schulen sich in der Teamarbeit und wirken in der Stadtteilarbeit mit, indem sie das Angebot erweitern.  (s. JustiQ-Projekte)

Seit 2001 werden im Stadtteilzentrum immer wieder die Räume überarbeitet, renoviert und gestaltet. So wurden die Jugendräume selbst ausgebaut. Hier entstand neben dem Jugendclubraum mit Theke, Billardtisch und „Chillebene“, ein Theater- und Tanzraum. Aktuell wird er für Tanzangebote und seit neuestem mit selbst gebautem Tonstudio auch von externen Partnern wie dem TSV-Ockershausen, den europäischen Pfadfindern und einer Eigeninitiative von kulturschaffenden jungen Erwachsenen aus dem Stadtteil genutzt.

Um das Ziel zu erreichen, einen selbstverwalteten Jugendraum zu schaffen, sind die Strukturen wachsender Verantwortungsübernahme und  eine Aneignung der Räume sehr wichtig.  Auch das ist Grundlage der Beteiligungs- und Erprobungsfelder.

Jugendangebote

Die IKJG bietet Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren Räume, die siealters- und interessenspezifisch nutzen können sowie pädagogische Betreuung im Einzelfall und in verschiedenen Gruppenzusammenhängen. Damit werden Gelegenheiten geschaffen, in denen Jugendliche Erfahrungen machen können, Erprobungsfelder und Gestaltungsräume geöffnet sowie Eigeninitiative unterstützt. 

Grundsatz der sozialräumlich orientierten Arbeit ist die Initiierung von Beteiligungsprozessen sowie lebensweltorientierte Angebote. Unser Ziel ist es, der finanziellen und räumlichen Enge, dem fehlenden Modelllernen und der Perspektivlosigkeit durch soziale und gesellschaftliche Benachteiligungen zu begegnen.

Wir verstehen uns als Begleiter im Entwicklungsprozess, unterstützen die individuelle Entfaltung und regen zu eigenverantwortlichem Handeln an. Heranwachsende sollen in ihrer wachsenden Verselbständigung gefördert werden.

Die Familien bzw. Eltern der Jugendlichen sind dabei wichtige Partner der sozialen Arbeit. Im Einzelfall stehen wir den Eltern wie auch den Jugendlichen beratend und begleitend zur Seite. Wir moderieren Aushandlungsprozesse in Konflikten oder bei Interessensvertretungen, sei es in Schule, Familie, Peergroup oder im Stadtteil.

Um bedarfsorientiert arbeiten zu können, müssen wir die Komplexität des Handlungsfeldes verstehen. Daher ist uns die Kooperation im Team und mit den Netzwerkpartnern wichtig. Kollegiale Beratung unterstützt uns multiperspektivisch zu arbeiten.

In der Jugendarbeit arbeiten wir im Einzelfall und mit Gruppen. Wir arbeiten mit abenteuer- und erlebnispädagogischen Elementen, bieten geschlechtsspezifische und kulturelle Angebote u.a. durch regelmäßige Fahrten und Freizeiten an. Kooperationen mit Vereinen und anderen Partnern im Sozialraum ergänzen das Angebot.

Die Räume, auf die die Jugendlichen im Quartier zurückgreifen können, sind allgemeine Sporthallentermine, Bolzplatz, der Naturraum, die Offene Werkstatt oder Gärten. Darüber hinaus natürlich ihre selbst gestalteten Jugendräume mit Theke, Billard, Kicker, Bühne und Tonstudio sowie die Bewegungs- und Tanzfläche mit großen Spiegelwänden. Dabei  stehen ihnen – auch durch die Kooperation der IKJG mit anderen Trägern – Geräte wie z.B. Mountainbikes, Inliner, Boote, Skier und Klettermaterialien – zur Verfügung.

Angebote: Jugendclub, Fußballgruppe, Hip Hop/Tonstudio, Mädchenclub, Wochenendaktionen/fahrten, Ferienfreizeiten und Sport-/Freizeitangebote in Kooperation mit dem TSV Marburg.

Freizeiten und Fahrten

Freizeiten und Fahrten werden für verschiedene Zielgruppen angeboten. Sie ermöglichen den Kindern und Jugendlichen sowie Familien gesellschaftliche Teilhabe, die in der Regel nicht über das Budget verfügen, Urlaubsreisen zu unternehmen. Die Freizeiten bedeuten häufig ein sich Einlassen auf ein neues, fremdes Feld in vielerlei Hinsicht. Diese „Auszeit“ und die „außerordentlichen“ Erfahrungen sind häufig prägende Gemeinschaftserlebnisse, die neue Kontakte und eine größere Offenheit in der Nachbarschaft zur Folge haben.

Die IKJG versucht regelmäßige Fahrten zu ermöglichen. Traditionell stehen dafür eine Familienwinterfreizeit in einem Skigebiet, eine Familienfrühjahrsfahrt über 3Tage, die Kinder- und Jugendfreizeit jeweils im Sommer und die Städtetour für Jugendliche in den Herbstferien.
Die Fahrten mit den erwachsenen BewohnerInnen des Stadtteils sind uns in der Regel nur möglich in Kooperation mit der Stadt Marburg oder durch Projektförderungen.
Von älteren BewohnerInnen werden häufig „Bildungs- und Kulturfahrten“ gewünscht. Sie suchen dabei die Gemeinschaft und trauen sich in der Regel die Fahrten nicht mehr alleine zu. Sie wünschen sich das Kennen lernen neuer Städte, aktueller Ausstellungen oder sind auch an Projekten interessiert, die Modelle für stadtteilrelevante Fragestellungen sein können.

Für Familien mit kleineren Kindern sind die Fahrten wichtig, um „rauszukommen“ aus dem Alltag und etwas Besonderes zu erleben. Wichtig ist ihnen das gemeinsame Erlebnis mit ihren Kindern und der Erfahrungsaustausch mit anderen Familien. Die Familienfreizeiten schärfen unseren Blick auf den Handlungsbedarf und notwendige strukturelle Veränderungen im Quartier zur Förderung der jungen Familien. Sie sind auch Gelegenheiten, durch den Austausch mit anderen Familien eigene Anschauungen zu reflektieren und Perspektivwechsel vorzunehmen. Häufig ergeben diese Gemeinschaftsprozesse eine größere Solidarität untereinander, die in die Nachbarschaft wirken.

Besonders für die Kinder und Jugendlichen ist es wichtig, über Ferienerlebnisse erzählen und in ihren Peergroups mitreden zu können. Die Freizeiten für die Kinder bedeuten eine Gelegenheit Neues kennen zu lernen, im Verlassen des häuslichen Umfeldes Autonomie und Selbstvertrauen zu stärken. Diese Zeit ist allein auf ihre Interessen mit Gleichaltrigen ausgerichtet, sie sind allein die bestimmenden Akteure, ihre freie Zeit in der Gruppe für sich zu gestalten. Sie erleben die Freizeit als einen Bruch der Alltagsstruktur und ihren alltäglichen Verpflichtungen. Durch das sich Einlassen auf die Gruppe, das füreinander Sorgen wachsen Verantwortungsübernahme und werden soziale Lernprozesse ebenso wie neue Freundschaften angebahnt.

Die Jugendfreizeiten – Städtetouren und Auslandsreisen – sind häufig Erlebnisse, sich mit dem Fremden auseinander zu setzen, sich in verschiedenen Milieus zu erproben und Unvorhergesehenes zu verarbeiten. Dabei sind fremde Städte und Naturerlebnisse eine besondere Herausforderung, die die Pädagogen als Hintergrund für soziale Lernprozesse methodisch nutzen.

Unterstützt werden die Reisen durch die Kooperation mit anderen Stadtteilen, dem bsj-Projekt „Auszeit“, der Landesarbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte (hier LAG Jugend), durch Zusatzfinanzierungen der städtischen Jugendförderung oder Anträge über das Bildungs- und Teilhabepaket des Landkreises.

Partnerschaft in Sport und Freizeit

Die Partnerschaft in Sport und Freizeit ist ein Bündnis mit dem TSV Ockershausen und der Bunten Liga des Jugendbereiches. Hier wurden strukturelle Veränderungen und neue Kooperationen zwischen Jugendhilfe, Sportverein, Schule und Kita eingeleitet durch die Öffnung in Bezug auf Nutzung verschiedenster Räume im Quartier, veränderte Zeitstrukturen und bedarfsgerechte und interkulturelle Angebote für Jugendliche und Familien.

Erste Kooperationen für zugewanderte Menschen entstanden über das Integrationsprojekt MOST über gemeinsame Interessen am Handwerk und intergenerative Bewegungsangebote. Weitergehend konnte sich die IKJG über das Programm „Integration durch Sport“ gemeinsam mit dem TSV Ockershausen als Stützpunktverein bei der Sportjugend Hessen bewerben. Ziel war es, vermehrt Vereinsangebote insbesondere für Jugendliche und Familien mit Migrationshintergrund zu schaffen und den Zugang zu den klassischen Vereinsstrukturen niedrigschwelliger zu gestalten.
Das Angebot konnte sich durch die Kooperation mit dem bsj e.V., der Träger des Bundesmodellprojekts „querfeldein“ ist, ausweiten und wurde strukturell durch hinzugewonnene Partner gestützt. Ziele waren im Folgenden: Brücken zu bauen zwischen Verein, Stadtteil und Schule, den Zugang und Verbleib von Jugendlichen zum  Vereinsangebot attraktiver zu gestalten und Beteiligungsprozesse insbesondere von Jugendlichen und zugewanderten Menschen zu fördern.

Seit 2009 bieten wir dazu stets sich verändernde und erweiterte Sportangebote gemeinsam mit dem TSV an. Darüber hinaus unterstützen wir Jugendliche und Erwachsene, Angebote selbstständig durchzuführen, indem wir  ihnen Helfer- und Übungsleiterausbildungen ermöglichen. In Kooperation mit Schule bieten wir die Schulsportassistenz-Ausbildung an, mit dem Ziel ein nachhaltiges und attraktives Sport-, Bewegungs- und Freizeitangebot auch zukünftig zu sichern.

Gemeinsam mit dem FD Sport, dem Sportkreis,  der Schule, dem Netzwerk von Vereinen und der hessischen Sportjugend können die Jugendlichen hierbei unterstützt werden.

Weitergehendes Netzwerk:

Ein Netzwerk aller Jugendeinrichtungen und selbst initiierten Jugendfußballmannschaften Marburgs ist aus dieser Arbeit erwachsen: die Bunte Liga.

Die Bunte Liga ist eine Gemeinschaftsinitiative aller Jugendeinrichtungen Marburgs. Dabei ist Fußball ein gemeinsamer Nenner. Das ganze Jahr hindurch werden unterschiedlichste Turniere gegeneinander ausgerichtet. Gemeinsame Vorbereitungen unter den Jugendlichen sowie Austausch unter und Organisation mit den Jugendpflegern machen die Spiele möglich.

Hier sollen Kontakte über den Stadtteil hinaus einer falsch verstandenen Quartiersidentität entgegengesetzt werden, sportliche Fairness gepflegt sowie Aktivitäten für Jugendliche aller Einrichtungen transparent werden.

Schulsportassistenten

Ziel der Ausbildung ist es, interessierte Schülerinnen und Schüler zu befähigen, in Schulsportangeboten und im Sportverein Verantwortung zu übernehmen. Das Spektrum reicht von helfenden Tätigkeiten über die Mitgestaltung bis hin zu einer klar eingegrenzten Leitungsfunktion bei der Planung und Durchführung von Bewegungs- und Sportangeboten in Schulen und Sportvereinen bzw. in der Zusammenarbeit von Vereinen und Schulen.

Die Ausbildung von Schulsportassistent/-innen ist Teil des Kooperationsprojektes querfeldein/INFORM gemeinsam mit bsj e.V. und TSV-Ockershausen. Bei den Inhalten der Ausbildung kooperieren wir mit dem Sportkreis Marburg. Angeboten wird das Arbeiten im Team, Erproben ausgewählter Ideen in der Praxis, Betreuung von Kindern und Jugendlichen, Rollenwechsel von Teilnehmender zur Assistentin/Assistent, Erkennen von Problemsituationen in Kinder- und Jugendgruppen, Hilfestellungen bei Konflikten im Umgang mit Kindern, Lehrkräften und Eltern.

Die Schüler/-innen, die zwischen 13 und 17 Jahren sind und Lust haben sich im Sport zu engagieren und Ideen in Schule oder Verein einbringen möchten, können sich mit der Ausbildung eine Qualifizierung erarbeiten, auf der sie immer weiter aufbauen können (z.B. mit Übungsleiterausbildungen, Trainingslizenzen, Jugendleiterausbildung/Juleica). Sie erproben sich in der Verantwortungsübernahme und in einer Leitungsfunktion. Sie helfen bei Pausenangeboten, Sport AGs oder Übungsstunden, bringen ihre Ideen in Schule oder Verein ein und entwickeln attraktive Spiel- und Sportangebote für ihre Schule und können im Schulalltag mitgestalten.

Die Schule kann dadurch vermehrt Aktivitäten und Bewegung in der Schule anbieten, sie fördert die Partizipation von Schüler/-innen, gibt sich ein bewegungs- und sportfreundliches Profil und erhält Unterstützung für die Gestaltung in der Ganztagsschulbetreuung.

Die Sportvereine können Schüler/-innen den Zugang zum Sportverein aufzeigen, können die Zusammenarbeit Schule und Verein stärken und können die ausgebildeten Jugendlichen in die Vereinsarbeit vor Ort einbeziehen.

Die Ausbildung legt den Schwerpunkt auf die helfenden Tätigkeiten. Die Schule muss Unterstützung und Ansprechpartner bieten (Sportlehrer oder Klassenlehrer, etc.) Die Praxisprojekte können auf die Möglichkeiten in den jeweiligen Schulen bezogen werden. Bei entsprechender Begleitung durch Lehrkräfte in den Schulen, ist eine Weiterführung über den Zeitraum der Ausbildung hinaus wünschenswert.

Nach der Ausbildung von 40 Übungseinheiten (in der Regel 3 Wochenenden, freitags: 15.-21.00 Uhr, samstags: 9.00-13.00 Uhr), deren Schwerpunkt auf dem Erproben und Erfahren einer großen Anzahl an Praxisangeboten wie kleine Spiele, Trendsportarten, Bewegungsspiele usw. liegt, werden Schüler/-innen durch die Referenten der Sportjugend Hessen in einer Halle oder Schulungsraum vor Ort geschult und können folgendes anbieten:

  • qualifizierte Mithilfe im Schulsport und in den Vereinen
  • sprechen in der Schule Schülerinnen an und bringen diese mit dem Verein in Kontakt
  • führen z.B. in der Pause kleine Bewegungsspiele durch
  • unterstützen bei Sportstunden
  • unterstützen bei sportlichen Veranstaltungen
  • übernehmen Verantwortung im Schulsport und im Verein
  • helfende Tätigkeiten
  • Mitgestaltung von Veranstaltungen (z.B. Schulsportfeste, Projektwochen)
  • vertreten die Sport- und Bewegungsinteressen der Schülerinnen und Schüler

Übungsleiter/-innen

In Kooperation mit dem TSV-Ockershausen und dem Modellprojekt IN FORM/querfeldein können wir für Jugendliche ab 16 Jahren und interessierte Erwachsene, die Sport- und/oder Gesundheitspräventive Angebote im Stadtteil oder Verein leisten möchten, eine Übungsleiterausbildung anbieten.

Ziel dieses Angebotes ist es, bestehende Angebote nachhaltig zu verankern und zu erweitern sowie Bewegungsangebote im Quartier zu stabilisieren. Diese Tätigkeit trägt zu einer persönlichen Kompetenzerweiterung bei und soll im Sinne des Projektes „Partnerschaft in Sport und Freizeit“ zu einer höheren Partizipation beitragen.

Voraussetzung für die Übernahme der Ausbildungskosten ist die Verpflichtung des Ausgebildeten, mindestens ein Jahr nach Prüfung dem Verein oder dem Stadtteil als Übungsanleiter/-in zur Verfügung zu stehen. Diese Tätigkeit wird mit einer erhöhten Aufwandspauschale entlohnt und ist in allen Sporteinrichtungen bundesweit anerkannt.

Die Ausbildung umfasst 240 Übungseinheiten und kann bundesweit angeboten werden. In der Regel werden die Einheiten in Alsfeld durchgeführt und die gesamte Ausbildung wird über ein halbes Jahr gestreckt, je nach Terminvorgaben des Sportbundes. Die Übungseinheiten werden an Wochenenden gebündelt. Gefördert wird dieses Angebot über das Modellprojekt und den Verein hinaus von der hessischen Sportjugend sowie dem Programm „Integration durch Sport“.