Selbstverständnis, Arbeitsweise und Ziele der Initiative für Kinder­, Jugend­ und Gemeinwesenarbeit Ockershausen e.V. (IKJG)

Die IKJG ist eine Gemeinweseninitiative, ein freier Jugendhilfeträger der Stadt Marburg, der vom Land Hessen als Familienzentrum ausgezeichnet wurde. Unsere Aufgabe ist es aktivierend,  unterstützend  und  beratend  mit  den  Bewohnerinnen  und  Bewohnern  des Stadtteils Stadtwald­Ockershausen zu arbeiten.

In unseren Angeboten bieten wir Möglichkeiten, gemeinsam mit Anderen, Erfahrungen in naturräumlichen,  bewegungsorientierten,  handwerklichen  und  kulturellen  Bezügen  zu sammeln. Im Vordergrund  steht dabei nicht das Lernen im jeweiligen Bereich,  sondern das Lernen in der Gruppe, das Erleben der Gruppendynamik, Austausch und Entlastung als Hilfe zur Selbsthilfe. Schließlich soll der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses und die Bildung von Freundschaften und Nachbarschaftsnetzwerken unterstützt werden.

Die Angebote des Vereins sind steten Veränderungen unterworfen, da wir bedarfs­ und lebenweltorientiert arbeiten. Wir arbeiten nicht für, sondern mit den BewohnerInnen.

Der  Verein  verfügt  über  sechs  hauptamtliche  MitarbeiterInnen,  einer Projektberatungsstelle  sowie  sechs  Erzieherinnen,  die  alle  in  Teilzeit  beschäftigt  sind. Darüber  hinaus  wird  das  Team  unterstützt  durch  zwei  JahrespraktikantInnen,  durch selbständige und studentische Honorarkräfte, die die Breite der Angebote sichern.

Der Stadtteil Stadtwald ist mit seinen rund 1.400 EinwohnerInnen durch 35 Nationalitäten, steten  Zuzügen  neuer  BewohnerInnen  sowie  einer  sehr  jungen  Bevölkerung  geprägt. Prozentual hat er den höchsten Kinderanteil Marburgs und einen hohen Anteil an  sehr jungen  und  alleinerziehenden  Eltern.  Landschaftlich  ist  der  fußläufig  nur  schwer  zu erreichende  Stadtteil,  umgeben  von  einer  attraktiven  Wald­,  Felder­  und Wiesenlandschaft.  In  enger  Kooperation  arbeiten  wir  mit  den  Initiativen  im  „Alten Ockershausen“  mit  seinen  rund  4.700  EinwohnerInnen  zusammen.  Dieser  geschichts­ und  traditionsbewusste Stadtteil  hat  eine  hohen Dichte  an Seniorenwohnheimen,  einen hohen  Anteil  an  SeniorInnen  und  alten  Vereinsstrukturen.  Das  Quartier  Stadtwald  als ehemaliges Konversionsgebiet ist seit Anfang der 90er Jahre Ockershausen zugeordnet worden.

Wenn vor Ort auch viele Ressourcen vorhanden sind, arbeiten wir insbesondere mit den BewohnerInnen  des Stadtwaldes  daran,  die  stagnierende  Infrastruktur  zu  erweitern,  es möglich  zu  machen,  dass  der  Einzelhandel  und  weitere  Dienstleistungen  „am  Berg ankommen“.  Wir  setzen  uns  dafür  ein,  dass  sich  die  Betreuungssituation  für  Kinder verbessert, dass Alleinerziehende und Familien unterstützt werden bei der Vereinbarkeit von Familie, Ausbildung und Beruf, dass Alleinstehende genügend Kontaktmöglichkeiten wahrnehmen  können  und  dass  Brücken  zwischen  Jung  und  Alt,  Einheimischen  und Zugewanderten,  dem  heutigen  Stadtwald  und  altem  Ortskern  Ockershausen  sowie zwischen Krippe, Kita, Schule und Vereinen entstehen.


Unsere Arbeitsweise

Wesentliche  Aspekte  unseres  fachlichen  Selbstverständnisses  bzw.  unserer Herangehensweise sind dabei:
•          Wir arbeiten niedrigschwellig und aufsuchend.
Wir  wissen,  dass es vielen  Menschen  schwer  fällt, Beratung  und Hilfe  in Anspruch  zu nehmen. Daher ist es wichtig, den Zugang zu uns so leicht wie möglich zu gestalten. Wir sind häufig im Stadtteil unterwegs und präsent. Wir laden die Menschen auf der Straße ein und besuchen sie zuhause. Wir gestalten unsere Angebote und Maßnahmen so offen und niedrigschwellig wie möglich, aber auch so zielorientiert wie nötig.

•          Wir stellen Fragen und arbeiten lebenslagenorientiert.
Wir  wissen,  dass  es  die  „normale“  Familie  und  den  „normalen“  Alltag  nicht  gibt.  Die Familien  haben  unterschiedlichste  Herkunfts­  und  Kulturerfahrungen.  Viele Lebensgemeinschaften  leben  in  verschiedensten  Konstellationen  miteinander.  Es  gibt keine  Norm,  von  der  man  ausgehen  kann.  Der  Alltag  und  die  Lebensperspektiven müssen  immer  wieder  neu  und  individuell  bestimmt  werden.  Wir  stellen  daher  viele Fragen: Wir befragen BewohnerInnen, Kooperationspartner und Multiplikatoren. Die hier gewonnenen Erkenntnisse sind für uns handlungsleitend.

•          Wir überprüfen unsere Arbeit und machen sie überprüfbar.
Zielgerichtetes Arbeiten macht die Arbeit überprüf­ und nachweisbar. Dies ist zum einen gesetzlich  vorgeschrieben,  zum  anderen  eine  professionelle  Notwendigkeit.  In  allen Aufgabenbereichen  arbeiten  wir  daher  mit  verschiedenen  Dokumentations­  und Evaluationsmethoden.  Die  Fragen,  die  uns  hierbei  leiten  sind  immer:  Machen  wir  die richtigen Sachen? Und: Machen wir die Sachen richtig?
 
•          Wir unterstützen Mitbestimmung und nutzen die Ressourcen im Stadtteil.
Unser Ziel ist eine aktivierende Beteiligung der Menschen. Um aktivierend tätig zu sein und  Entscheidungen  treffen  zu  können,  muss  Verantwortung  erlebbar  werden.  Die Stärkung  der  Persönlichkeit  und  des  Selbstwertgefühls  durch  Anerkennung  sind  dabei untrennbar  mit  einem  positiven  Selbstbild  verbunden.  Im  Kinder­  und  Jugendbereich sollen die Gruppenmitglieder zunehmend lernen, abzuwägen, Entscheidungen zu treffen und  zu  überprüfen.  In  der  Erwachsenen­  und  Stadtteilarbeit  informieren  wir  über interessante  und  relevante  Themen.  Engagement,  Übernahme  von  Verantwortung  und Rollen  sind  initiierte  und  gewünschte  Prozesse.  Wir  unterstützen  die  Beteiligung  der Bevölkerung in Stadtteilentwicklungsprozessen.

•          Wir setzen an den Stärken der Menschen und den Qualitäten des Stadtteils an.
Die BewohnerInnen  sollen ihre eigenen Ressourcen erkennen und ihr Können für sich persönlich  sowie  für  eine  positive  Entwicklung  des  Stadtteils  einbringen  und  nutzbar machen. Wir bieten viele Räume und Gelegenheiten im Quartier als Erprobungsfeld und als Möglichkeit, gestalterisch wirken zu können. Die vorhandenen Kompetenzen sollen im Stadtteil sichtbar und eine Anerkennungskultur sowie positive Stadtteilidentität unterstützt werden.

•          Wir vermitteln und vernetzen die unterschiedlichen Akteure.
Wir vermitteln zwischen Krippe, Kita, Schule und Stadtteil, den verschiedenen Gruppen und  Akteuren  (sowohl  BewohnerInnen  als  auch  Institutionen)  des  Quartiers,  den Adressaten  und  Hilfegebern  unserer Arbeit. Wir  kooperieren  mit  allen  Institutionen  und Initiativen  im  Stadtteil,  mit  Fachdiensten  der  Stadt  sowie  den  zuständigen  politischen Gremien und unterstützen deren Vernetzung.

 

 

Ziele unserer Arbeit

Die  IKJG  e.V.  hat  das  Ziel,  Ansprechpartner  für  alle  BewohnerInnen  zu  sein, insbesondere  gesellschaftlich  benachteiligte  Bevölkerungsgruppen  bei der Gestaltung ihres Alltags  zu unterstützen und die persönlichen Perspektiven der BewohnerInnen  zu fördern.  Wir  wollen  dazu  beitragen,  die  Lebensqualität  im  Stadtwald  zu  erhöhen,  die Integration aller Bevölkerungsgruppen zu unterstützen und eine positive Stadtteilidentität zu fördern.

•          Unterstützung der Alltagssituation
Wir  unterstützen  die  Alltagssituation,  indem  wir  Netzwerke  fördern,  mit  denen Kommunikation  und  Nachbarschaftshilfe  verbessert  wird.  Wir  bieten  mit  verschiedenen Professionen  Beratung  und  Begleitung,  informieren  über  weiterführende  Hilfen,  bieten Betreuung  als  Entlastung  und  Förderung  der  Kinder  und  unterstützen Bildungspartnerschaften.

•          Förderung persönlicher Perspektiven
In der Krippe unterstützen und fördern wir die Eltern in ihrer Erziehungskompetenz. Für die Kinder gestalten wir ein Umfeld für ein gelingendes Aufwachsen. Wir unterstützen sie, in  ihrem  individuellem Tempo Selbstständigkeit  zu  erlangen. Wir  fördern  in  der Kinder­ und Jugendarbeit die persönlichen Perspektiven, indem wir immer wieder die Ressourcen der Kinder und Jugendlichen aufgreifen und ihnen den Blick auf ihre persönlichen Stärken und Fähigkeiten erweitern. In vielfältigen Angeboten motivieren wir sie, ihre Kompetenzen einzubringen  und  öffentlich  zu  machen.  Wir  arbeiten  eng  mit  den  örtlichen  Schulen zusammen  und  unterstützen  den  beruflichen  Lebensweg.  Im  Erwachsenenbereich motivieren  wir  die  BewohnerInnen  ihren  privaten  und  beruflichen  Lebensweg  zu reflektieren und regen zu beruflichen Planungen an. Darüber hinaus geben wir ihnen die Möglichkeit, sich in verschiedenen Rollen zu erproben und zu qualifizieren.

•          Entwicklung einer positiven Stadtteilidentität
Um  sich  im  Stadtteil  wohl  zu  fühlen  und  um  das  Image  des  Quartiers  nach  außen  zu verbessern, ist die Entwicklung einer positiven Stadtteilidentität ein wichtiges Ziel unserer Arbeit. Wir setzen uns gemeinsam mit den BewohnerInnen und anderen Akteuren über Probleme  des  Stadtteils  auseinander.  Dabei  streben  wir  stets  eine  nachhaltige Verbesserung für das Quartier an. Bei der Planung und Umsetzung der  verschiedenen Projekte und der Mitarbeit in den Arbeitsgruppen ist eine größtmögliche Beteiligung der Bewohnerschaft ein wichtiges Ziel.